Rooney weist nach Englands spätem Comeback gegen die DR Kongo auf strukturelle Lücken hin

Rooney weist nach Englands spätem Comeback gegen die DR Kongo auf strukturelle Lücken hin

England ist im Sechzehntelfinale der WM 2026 mit einem 2:1-Comeback gegen die DR Kongo im Atlanta Stadium weitergekommen, doch das Ergebnis kaschierte strukturelle Probleme, von denen der ehemalige Nationalspieler Wayne Rooney überzeugt ist, dass sie das Turnier vorzeitig beenden könnten, falls Thomas Tuchel sie nicht behebt.

Das Spiel folgte einem vertrauten Stressmuster für die Three Lions. Die DR Kongo, auf Platz 46 in der aktuellen FIFA-Weltrangliste und in einer kompakten 4-3-3-Formation aufgetreten, ging bereits nach sieben Minuten in Führung und behielt diesen Vorsprung bis zur 75. Minute. England, auf Platz vier der Weltrangliste und in einer 4-2-3-1-Formation eingesetzt, benötigte zwei späte Treffer von Harry Kane, um nicht ausgeschieden zu werden.

Oberflächlich betrachtet deuten die zugrunde liegenden Zahlen auf Kontrolle hin. England kam auf 16 Schüsse gegenüber sieben für DR Kongo, sieben Torschüsse gegenüber zwei und 60 Prozent Ballbesitz, aufgebaut auf 517 Pässen bei einer Erfolgsquote von 91 Prozent. DR Kongo gelangen nur 365 Pässe bei 82 Prozent Genauigkeit, während das Team den Druck in einem tief stehenden Block wegsteckte. Dennoch blieb der Spielstand mehr als eine Stunde lang 1:0 – genau jene Art von Effizienzlücke, die Rooney in seiner Nachspielanalyse hervorhob.

Kanes Rettungsakt kaschiert ein fragiles Mittelfeld

Kanes Ausgleich in der 75. Minute und das Siegtor in der 86. Minute waren Akte individueller Entschlossenheit und nicht kollektiven Rhythmus. Der Harry Kane, der England erneut durch dieses Turnier getragen hat, zeigte wieder, warum er der zuverlässigste Torschütze der Mannschaft in entscheidenden Momenten bleibt. Seine Laufwege zwischen den Innenverteidigern der DR Kongo eröffneten den Raum, den England einen Großteil des Abends nicht hatte finden können.

Dennoch argumentierte Rooney, dass es keine nachhaltige WM-Formel sei, wiederkehrende systemische Probleme allein einem Stürmer anzuvertrauen. Englands knapper Sieg gegen eine Mannschaft, die sie territorial dominiert hatten, unterstrich, wie schnell sich eine Führung wenden kann, wenn das Mittelfeld unter Druck auseinanderbricht.

Wo England anfällig wirkte

Rooneys zentrale Sorge galt der Umschaltverteidigung, nicht dem Endergebnis. Er wies darauf hin, wie offen England unmittelbar nach Ballverlust wurde, und beschrieb große Lücken zwischen Abwehrreihe und Mittelfeld, die stärkere Gegner gnadenloser ausnutzen würden als es der DR Kongo am Mittwoch tat.

Das strukturelle Bild stützt diese Lesart. Englands 4-2-3-1-System verlangte von den Außenverteidigern Breite, während zwei defensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler eine Viererkette abschirmen sollten, die bisweilen im Vergleich zum restlichen Aufbau zu tief stand. Als das Pressing umgangen wurde, hatten die drei Angreifer der DR Kongo Raum, um eine Abwehrkette anzugreifen, der unmittelbarer Schutz aus dem Mittelfeld fehlte. Rooney wies ausdrücklich darauf hin, dass die Verbindung zwischen Abwehr und Mittelfeld „nicht gut“ ist – ein Mangel, der seiner Aussage nach auch in früheren Spielen bereits aufgetreten ist.

Die Leistung der Außenverteidiger war ein weiterer Druckpunkt. Rooney räumte ein, dass Nico O'Reilly an diesem Abend besser abschnitt, die englischen Außenverteidiger jedoch gemeinsam als problematische Zone bezeichnete. In einem System, das auf überlappende Läufe angewiesen ist, um tief stehende Abwehrblöcke auseinanderzuziehen, lässt uneinheitliche Unterstützung über die Außen Flügelspieler isoliert und zentrale Räume unterbesetzt.

Madueke unter der Lupe

Die gezielteste individuelle Kritik traf Noni Madueke, der als Englands rechter Angreifer in der Startelf stand. Rooney sagte, Madueke habe „Schwierigkeiten gehabt“, und fügte hinzu, dass es „keine Verbindung“ im Mittelfeld gegeben habe, als der Flügelspieler es nicht schaffte, effektiv mit seinen Mitspielern um sich herum zu kombinieren.

Aus technischer Sicht erforderte Maduekes Rolle in diesem System mehr als individuelles Dribbeln. Tuchel brauchte einen rechtsseitigen Anspieler, der die Breite halten, im Umschaltspiel eine Anlaufstelle bieten und das Mittelfeld durch Kombinationsspiel mit dem letzten Drittel verbinden konnte. Rooneys Einschätzung implizierte, dass Madueke diese Verbindung nicht konstant herstellte, wodurch Englands rechte Seite vom restlichen Angriffsaufbau abgekoppelt blieb.

Das ist wichtig, denn Englands beste Phasen kamen, als Kane zurückfiel, um das Spiel zu verbinden, und als die linke Seite Überzahlen schuf. Ohne ausgewogene Beiträge von außen könnte die DR Kongo Ressourcen auf Englands stärkere Seite verlagern und dennoch lange Phasen überstehen, trotz schwächerer Ballbesitzstatistiken.

Was Tuchel als Nächstes lösen muss

Rooney richtete seine Warnung unmissverständlich an Thomas Tuchel und sagte, der Trainer habe nun klare Belege dafür, was diese Mannschaft kann und was nicht. Sein klares Fazit war, dass Tuchel in Schlüsselbereichen „andere“ Optionen in Betracht ziehen müsse, sonst werde England gegen stärkere Gegner „ausscheiden“.

Die taktische Frage ist nicht, ob England Chancen kreieren kann. Sechzehn Schüsse und sieben aufs Tor gegen ein Team auf Platz 46 der FIFA-Weltrangliste bestätigen, dass sie genügend Offensivaktionen erzeugen können. Die Frage ist, ob sie die Momente nach dem Ballverlust kontrollieren, kompakte Abstände zwischen den Linien halten und funktionale Verbindungen über die Außenbahnen herstellen können, ohne sich bei jeder schwierigen Partie auf Kane zu verlassen.

Der DR Kongo verdient Anerkennung dafür, England früh unter Druck gesetzt und trotz Territorialrückstand 68 Minuten lang organisiert geblieben zu sein. Englands 2:1-Sieg hält das Turnier am Leben, doch Rooneys Bedenken rahmen den nächsten K.-o.-Test als strukturelle Prüfung und nicht als Selbstverständlichkeit. Bleiben die Lücken beim Schutz des Mittelfelds und bei der Integration über die Flügel, könnten die Three Lions vielleicht noch einen Schrecken überleben – aber wahrscheinlich keine Serie davon.

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