Frankreich und Marokko beleben am Donnerstag, den 9. Juli, eine der spannungsgeladensten Rivalitäten der modernen WM-Ära, wenn das Viertelfinale im Gillette Stadium in Boston beginnt. Das Duell bringt die Teams zusammen, die sich im Halbfinale 2022 in Katar gegenüberstanden, wo Frankreich mit 2:0 gewann und ins Finale einzog.
Beide Mannschaften kommen beim Turnier 2026 in starker Form an. Frankreich hat fünf Spiele in Folge gewonnen und steht an der Spitze der aktuellen FIFA-Weltrangliste auf Platz 1. Marokko ist mit drei Siegen und drei Unentschieden ungeschlagen und belegt Platz 8. Die Atlas Löwen haben in diesem Zyklus noch kein Spiel verloren, und diese Widerstandsfähigkeit wird gegen eine französische Mannschaft auf die Probe gestellt, die in den jüngsten Partien viel Ballbesitz hatte und häufig Chancen kreierte.
Warum das Aufeinandertreffen von 2022 noch nachwirkt
Die letzte Begegnung endete nicht geräuschlos. Marokko war überzeugt, in der ersten Halbzeit zwei klare Elfmeter verwehrt worden zu sein — erst als Theo Hernandez Sofiane Boufal im Strafraum attackierte und später, als Aurelien Tchouameni Selim Amallah bei einer Standardsituation zu Boden zog. Die Videoüberprüfung bestätigte keine der beiden Entscheidungen, und der Königlich-Marokkanische Fußballverband reichte eine offizielle Beschwerde bei der FIFA ein. Es folgte keine formelle Antwort, und die beiden Nationen trafen bis heute nicht erneut aufeinander.
Diese Vorgeschichte verleiht einem Duell, das ohnehin schon taktische Spannung birgt, zusätzliches emotionales Gewicht. Marokko bewies 2022, dass es mit der Elite mithalten kann; Frankreich bewies, dass es in knappen Partien ein Ergebnis erkämpfen kann.
Bekannte Gesichter in beiden Kadern
Kontinuität prägt dieses Viertelfinale. Marokko hat neun Spieler aus dem Turnier von 2022 zurückgebracht, darunter Yassine Bounou, Achraf Hakimi, Noussair Mazraoui, Nayef Aguerd, Sofyan Amrabat, Azzedine Ounahi, Hakim Ziyech, Ayoub El Kaabi und Munir El Kajoui.
Frankreich setzt noch stärker auf seinen bisherigen Kern. Zwölf Spieler aus dem Kader von 2022 sind weiterhin dabei, darunter im Angriff Kylian Mbappe, Ousmane Dembele und Marcus Thuram, im Mittelfeld N'Golo Kante, Aurelien Tchouameni und Adrien Rabiot sowie in der Abwehr Jules Kunde, Ibrahima Konate, Lucas Hernandez, William Saliba und Dayot Upamecano.
Was am Spieltag zu beachten ist
Didier Deschamps wird voraussichtlich eine Aufstellung nominieren, die der Struktur nahekommt, mit der Frankreich in Katar weit kam, und dabei auf Erfahrung mit einem disziplinierten 4-3-3 setzen, das um Bounou im Tor und Ziyech als kreativem Ausgangspunkt im letzten Drittel aufgebaut ist.
Der taktische Schlagabtausch dürfte davon abhängen, ob Marokko den französischen Druck auffangen und im Umschaltspiel zuschlagen kann oder ob Les Bleus einen kompakten Defensivblock früh genug aufbrechen, um ein weiteres nervenaufreibendes Spiel mit knappem Ergebnis zu vermeiden. Mit so vielen gemeinsamen Erinnerungen von 2022 auf dem Platz ist die Begegnung am Donnerstag weniger eine neue Bekanntschaft als vielmehr eine lang erwartete Fortsetzung.