Jurčević: West Ham muss Leistungsträger halten, um in der Championship wieder anzuknüpfen

Jurčević: West Ham muss Leistungsträger halten, um in der Championship wieder anzuknüpfen

Der ehemalige Assistenztrainer von West Ham Jurevic sagte in einem Exklusivinterview, dass das Team in der Saison 2025/26 trotz 39 Punkten in der Schlussphase dem Abstieg nicht entgehen konnte; um in der Championship schnell wieder hochzukommen, sei es entscheidend, Kerne wie Jarrod Bowen und Tomas Soucek zu halten und die langjährigen Stabilitätsprobleme zu lösen.

Sieg in der letzten Runde, trotzdem abgestiegen – im Abstiegskampf schon am Start verloren

Am letzten Spieltag der Premier League 2025/26 gewann West Ham im London Stadium zu Hause mit 3:0, Tottenham Hotspur holte ebenfalls drei Punkte mit einem 1:0-Heimsieg – beide Teams gewannen am Saisonfinale, doch der Punkteabstand war schon früher in der Saison entstanden. Jurevic sagte unverblümt, dass nicht das Schlussduell über Schicksal und Klassenerhalt entschied, sondern die „katastrophalen Leistungen“ in der ersten Saisonhälfte: West Ham hatte sich schon in der Hinrunde in ein riesiges Punkte Loch manövriert; selbst die Form von Januar bis Saisonende hätte für einen Mittelfeldplatz gereicht, während die Konkurrenten im Abstiegskampf parallel weiter punkten, sodass ein starker Schlussspurt die Lücke nicht mehr schließen konnte.

Die jüngsten Ergebnisse auf der Plattform stützen diese Einschätzung. In Spieltag 36 verlor West Ham zu Hause 0:1, in Spieltag 37 folgte auswärts eine 1:3-Niederlage – zwei Niederlagen in Folge ließen den Druck im Abstiegskampf stark steigen; der 3:0-Erfolg in Spieltag 38 kam zu spät. Tottenham verlor in Spieltag 37 auswärts 1:2, erst der 1:0-Sieg am letzten Spieltag stabilisierte die Lage – bei gleichem Anstoß und gleichem Punkte Druck am Saisonfinale zeigt West Hams „Sieg und trotzdem raus“ genau: Die Punkteausbeute in der Rückrunde reichte nicht, um das tiefe Loch aus der Hinrunde auszugleichen.

Spieldichte und Stabilität: alte Probleme bleiben

Juricic war von 2015 bis 2017 Assistent unter Slaven Bilic und konnte die Fitnesszyklen und Formschwankungen der Hammers aus nächster Nähe beobachten. Er erinnert sich, dass die Mannschaft damals auch Chelsea, Arsenal und Manchester United besiegte und Fünfter wurde, in der folgenden Saison jedoch in einen Abstiegskampf geriet – der „Mangel an Kontinuität“ ist seit Jahren West Hams ungelöstes Problem: Lange Phasen stabiler Topform bleiben selten, immer wieder folgen Formeinbrüche, und diese Saison ist nichts anderes als ein Wiederaufführen des alten Drehbuchs.

Aus Sicht der Spielplan-Erholung hängen Halbzeit-Einbrüche oft mit durcheinander geratenen Rotationen bei dichter Terminlage, kumulierten Verletzungen und schwankendem Selbstvertrauen zusammen. Juricic hat zwar nicht jedes Aufgebot dieser Saison im Detail analysiert, doch das von ihm betonte Muster deckt sich stark mit Jesse'scher Spielplan-Analyse: Wenn eine Mannschaft in der ersten Saisonhälfte zu viel „Fehlertoleranz“ verbraucht, lässt sich in der Rückrunde selbst bei besserer Siegquote und kürzeren Erholungsfenstern ein Aufholjagd im „parallelen Punktesammeln“ mit anderen Abstiegskandidaten kaum realisieren – für jeden eigenen Sieg holen die Gegner möglicherweise ebenfalls drei Punkte, und der Abstand schmilzt nicht von allein.

Hohe Personalfluktuation treibt die Kosten des Neuaufbaus

Von den Spielern, mit denen er vor zehn Jahren gearbeitet hat, ist heute keiner mehr im Kader – wenig überraschend, spiegelt aber die jahrelange hohe Personalfluktuation des Klubs wider: häufige Trainerwechsel und ständiges Flickwerk an den Transferfenstern lassen kein stabiles Gerüst entstehen. Vor dem Hintergrund, dass Nuno Espirito Santo die Mannschaft bald in der Championship führen wird, droht bei erneutem Abgang wichtiger Spieler im neuen Jahr die dreifache Belastung aus „neuer Liga, neuer Taktik, neuem Kader“; die Spieldichte wird nur noch höher, der Rotationspielraum enger.

Bowen und Soucek: Symbole des Aufstiegskampfs dürfen nicht gehen

Der 59-jährige Juricic stellt die Personalfrage an die Spitze der Wiederaufstiegs-Agenda. Bowen und Soucek hätten „jahrelang das Team getragen“ und seien die prägenden Figuren dieser West-Ham-Generation; scheiden beide ab, verliert der Aufstiegsplan in der Championship seine zuverlässigsten Torgefahr und sein zentrales Mittelfeld-Fundament. Der Klub sollte „so schnell wie möglich“ Gespräche mit beiden führen, um nach dem Abstieg Ruhe ins Lager zu bringen.

Die Championship-Saison ist lang, Doppelspielwochen sind an der Tagesordnung – die Belastung der Schlüsselspieler entscheidet unmittelbar über Nunos Rotationsmöglichkeiten. Bowen als Offensiv-Ausnahmespieler und Souček als mittelfeldliche Schutzwand sind genau jene Rotationsanker, die man in einem intensiven Spielplan am wenigsten auflösen sollte: Solange sie verfügbar sind, kann das Trainerteam in dichten Phasen die Einsatzzeiten sinnvoll verteilen, statt sich mit kurzfristigen Verpflichtungen über Wasser zu halten.

Ausblick: Nunos erste Championship-Saison

Nuno hat bestätigt, West Ham in der Championship anzuführen. Juricic sieht darin den Ausgangspunkt eines Wiederaufbaus, warnt aber, dass eine Erholung nicht automatisch eintritt: Die Lektion aus der ersten Saisonhälfte zeigt, dass Punkte in der Anfangsphase entscheidender sind als ein Schlussspurt am Ende. Für die Fans gilt es nun, Bowens und Součeks Vertragsverlängerungen im Blick zu behalten sowie die Punkteausbeute in den ersten zehn Spieltagen nach Veröffentlichung des Championship-Spielplans – das wird mehr darüber aussagen, ob West Ham den Kreislauf aus Auf- und Abstieg wirklich durchbrechen kann, als ein 3:0 am letzten Spieltag.

Professionelles Fazit: West Hams Problem liegt nicht darin, im Saisonfinale nicht genug Kampfgeist gezeigt zu haben, sondern darin, in der ersten Saisonhälfte die Initiative im Abstiegskampf preiszugeben. Wenn der Klub die Kerntruppe halten und gleichzeitig die Stabilität zu Saisonbeginn verbessern kann, ist die Championship keine unüberwindbare Hürde. Doch wiederholt sich das Muster „erste Hälfte Loch graben, zweite Hälfte auffüllen“, wird selbst ein erfahrener Trainer wie Nuno es schwer haben, über 48 Spieltage stets gegen die Zeit anzulaufen.