Stellvertretender Real-Madrid-Präsident und Amtsinhaber bei der Wiederwahl Florentino Pérez hat in einem Exklusivinterview mit AS sein Wahlkampfversprechen erneut in konkrete Transferziele übersetzt: Bleibt er an der Spitze des Bernabéu, wird Liverpools Innenverteidiger Ibrahima Konaté ab der nächsten Saison das Weiße tragen. Ob der in Como zum Star gewordene Nico Paz mit einer Rückkaufoption von rund 9 Millionen Euro zurückkehrt, überlässt er derweil bewusst dem neuen Trainerstab.
Vom Wahlkampfslogan zur „Weltklasse-Abwehr“
In dem Interview wiederholte Pérez die seit seiner ersten Wahl immer wieder vorgetragene Haltung – solange er Real Madrid präsidiere, gehörten die besten Spieler der Welt hierher. Für die Saison 2026-27 versprach er Verstärkungen auf allen Positionen und wolle „das Team mit Top-Spielern auf ein neues Niveau heben“. In genau diesem Kontext stufte er Konatés Wechsel als praktisch sicher ein.
„Ich kann Ihnen garantieren: Wenn ich Präsident von Real Madrid bleibe, wird Konaté – einer der besten Verteidiger der Welt – ab der nächsten Saison für Real Madrid spielen.“ Pérez fügte hinzu: Bleibe er im Amt, sei Konaté „nicht der einzige Top-Verteidiger, der ankommt“. Für einen Verein mitten im Präsidentschaftswahlkampf ist diese Aussage zugleich ein Signal an die stimmberechtigten Mitglieder, Transfermut zu zeigen, und eine Vorwegnahme der öffentlichen Aufmerksamkeit auf einen Namen, der vor dem Hintergrund einer alternden Abwehr und zunehmendem Wettbewerb bereits im Fokus steht.
Nico Paz: Rückkaufoption und „Wer das letzte Wort hat“
Im Gegensatz zu Konatés selbstbewusstem Tonfall wirkte das, was in demselben Interview über Nico Paz gesagt wurde, deutlich vorsichtiger. Der in Teneriffa geborene argentinische Offensivspieler aus der Madrider Nachwuchsarbeit hat sich mit seinen Leistungen in den vergangenen zwei Spielzeiten beim italienischen Como auf die Beobachtungslisten der europäischen Topklubs katapultiert. Pérez räumte ein: „Nico Paz ist einer der herausragenden Spieler, die unser Nachwuchs hervorgebracht hat; heute zählt er zu den besten Akteuren Europas, und viele Vereine buhlen um ihn.“
Er sprach zugleich die Rückkaufoption an: „Ihr wisst, wir haben in diesem Jahr die Möglichkeit, ihn zurückzuholen.“ In den Berichten wurde die Ablösesumme mit rund neun Millionen Euro beziffert, doch Pérez nannte keinen festen Zeitplan für eine Rückkehr, sondern überließ die Entscheidung dem Trainerstab – „Wir werden das gemeinsam mit dem Cheftrainer und dem technischen Team entscheiden.“ Das bedeutet: Selbst wenn Pérez wiedergewählt wird, hängt es davon ab, ob der neue Coach Mourinho und seine Assistenten glauben, dass Nico Paz in den Wiederaufbau passt, ob er das Trikot von Real Madrid trägt; Mourinho ist bereits in den Social-Media-Ankündigungen von Pérez’ Wahlkampf aufgetaucht – und so steht das Dreieck aus Präsident, Cheftrainer und technischem Team schon vor dem Start des Sommertransferfensters im Rampenlicht.
Comos Saison und der Bernabéu: „zwei Zeitlinien“
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Nico Paz mit Como zu verbinden, ist keine leere Floskel aus dem Wahlprogramm. Die internen Spielpläne zeigen: Como gewann in der Saison 2025/26 in Spieltag 37 zu Hause mit 1:0, in Spieltag 38 verlor das Team mit 1:4. Dass Pérez den Spieler trotz der wechselhaften Serie-A-Rhythmen dennoch als „eine hervorragende Saison“ bezeichnete, verdeutlicht: Der Wert der Rückkaufverhandlungen liegt nicht im Ergebnis eines einzelnen Spiels, sondern darin, ob der Spieler in Mourinhos System aus taktischer Disziplin und intensivem Pressing seinen Platz findet. Comos Heimspiele werden im Stadio Giuseppe Sinigaglia ausgetragen, das 13.602 Zuschauer fasst. Beim Real Madrid bietet der Bernabéu Platz für 85.454 – und in einem Jahr, in dem Wahl und sportlicher Wettbewerb zusammenfallen, braucht der Klub umso mehr „Stars, deren Ankunft sicher ist“, um die Unsicherheit auszugleichen, die „vielleicht zurückkehrende Talente aus der eigenen Jugend“ mit sich bringen.
Real Madrids jüngste Ergebnisse zeichnen eine andere sportliche Zeitlinie nach: Auswärts siegte man in Spieltag 37 mit 1:0, zu Hause gewann man in Spieltag 38 mit 4:2. In einzelnen technischen Statistiken tauchten Bilder dominanter Offensive auf – 26 Schüsse, 10 aufs Tor, 65 Prozent Ballbesitz, 92 Prozent Passquote –, es gab aber auch Fälle, in denen man mit nur 36 Prozent Ballbesitz den Sieg mitnahm. Die Stabilität in Abwehr und Mittelfeld bleibt das Fundament im Titelrennen – und erklärt, warum Pérez schon in der Wahlphase „Weltklasse-Verteidiger“ als überprüfbares Versprechen präsentiert, statt nur über Glanz im Angriff zu sprechen.
Wie man dieses „Wahl-Statement“ einordnen sollte
Für Mitglieder und Fans zieht Pérez mit dieser Aussage mindestens zwei Linien: Konaté wird als harte Zielmarke positioniert – „sofort umsetzbar, wenn die Wiederwahl gelingt“. Nico Paz ist die weiche Marke – „Optionen vorhanden, Entscheidung beim Trainer“. Beim Ersteren geht es um Verhandlungsgeschick des Klubs mit Spieler und bisherigem Verein sowie um die Gehaltsstruktur; beim Zweiten um Mourinhos Urteil über kreative Kräfte im Angriff und Dynamik auf den Außenbahnen – und darum, welche Priorität die 900-Millionen-Euro-Rückkaufoption im Gesamtbudget hat. Beide in dasselbe Interview zu packen, bedient die „Galácticos“-Erzähltradition und vermeidet zugleich, sich bei Nico Paz zu früh mit Como oder dem Spielerberater anzulegen.
Kurzfristig sind drei Entwicklungen zu verfolgen: Ob das Ergebnis der Präsidentschaftswahl Pérez’ Plänen entspricht; ob bei Konaté öffentliche Signale auftauchen, die dem „Wechsel zur nächsten Saison“ entsprechen; und ob Mourinhos Team vor Öffnung des Sommertransferfensters deutlichere Signale zu seiner Bewertung von Nico Paz gibt. Sollte die Wiederwahl gelingen, dürfte Real Madrid zunächst in der Abwehr aktiv werden und anschließend Rückkäufe von Jugendtalenten entsprechend den Wünschen des Trainers angehen – im Einklang mit Pérez’ Formulierung, „an jeder Position ein Topspieler“ zu haben, was aber auch bedeutet, dass die Sommer-Transferstory nicht nur eine Haupthandlungslinie verfolgen wird.