Potter: Schweden muss gegen Japan den Raum kontrollieren und kompakt verteidigen

Potter: Schweden muss gegen Japan den Raum kontrollieren und kompakt verteidigen

Vor dem Mikrofon auf der Pressekonferenz legte Schwedens Trainer Graham Potter die Taktiktafel auf den Tisch und kam ohne Umschweife zum nächsten Gegner – Japan. Es war kein routinemäßiges Smalltalk vor dem Spiel, sondern eher eine Analyse, als würde er die gesamte Mannschaft vor ein Whiteboard ziehen: vom 5:1-Auftakt gegen Tunesien über das Zurückholen auf den Boden der Tatsachen gegen die Niederlande bis hin zum Muss-Spiel im letzten Gruppenspiel – jeden Schritt zerlegte er unter dem Stichwort „Raum“.

Porter war unmissverständlich: Gegen Japan muss die gesamte Mannschaft defensiv kompakt stehen. „Ihr Zusammenspiel, ihre Organisation und ihr Timing liegen auf dem Tisch. Wenn wir die Abwehr zu weit auseinanderziehen und auf dem Platz riesige Flächen verteidigen, wird der Tag lang und hart.“ Das klingt wie eine Verteidigungsvorlesung, dahinter steckt aber das echte Problem Schwedens in der Gruppenphase dieser WM: In Gruppe F führt die Niederlande mit vier Punkten, Japan liegt punktgleich, hat aber mehr Tore geschossen und steht auf Platz zwei, Schweden hat drei Punkte und rangiert vorerst auf Rang drei. Das letzte Gruppenspiel gegen Japan ist nicht nur ein Kampf um drei Punkte, sondern darum, ob die K.o.-Qualifikation bis zum Schluss offen bleibt.

Schwedens Start war gar nicht schlecht. Im Auftaktspiel besiegte man Tunesien mit 5:1, und auf den Rängen glaubten einige, das blau-gelbe Team würde das nordische Fußball-Highlight-Drehbuch wiederholen. Doch die anschließende Pleite gegen die Niederlande riss die Mannschaft aus der Euphorie zurück auf den Boden. Porter wich dem nicht aus: Das Problem liegt nicht darin, ob man angreifen soll, sondern darin, „die richtige Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden“.

„In unserem Kader gibt es Spieler, die weltweit zu den Besten gehören, wenn es darum geht, im offenen Raum anzugreifen.“ Er machte eine Pause: „Die Stellung kann tief sein, aber nicht so tief, dass wir die Aggressivität verlieren, nicht so passiv, dass wir uns selbst Konterchancen verbauen.“ Damit legte er Schwedens Personalmaterial und den taktischen Widerspruch offen – Spieler, die im freien Feld durchbrechen können, und gleichzeitig die Pflicht, unter Druck den Kollektivverbund enger zu ziehen. Gegen Japan gilt: Zu eng stehen, und der Ball kommt nicht mehr raus; zu weit öffnen, und Japan spielt sich durch die Linien.

Porter machte die Entscheidung konkret: Wie gegen die Niederlande über das ganze Feld manndeckend verteidigen oder eine Zone gezielt dichtmachen? Genau das ist die Kernfrage, seit er im Oktober die schwedische Trainerbank übernommen hat – wenig Zeit mit der Mannschaft, aber schnell Ergebnisse liefern müssen. Er räumte ein, dass es nicht viel gemeinsame Trainingszeit gegeben habe: „Aber das ist keine Ausrede. Wir werden bereit sein und alles geben, um zu gewinnen.“

Vom Nachwuchsfußball in der Gemeinde bis zur Seniorennationalmannschaft hat der schwedische Fußball stets Wert auf Disziplin und Zusammenspiel gelegt; Japan hingegen hat „Synchronität“ zu seinem Markenzeichen gemacht. Wenn sich diese beiden Spielstile treffen, spüren Familien auf den Rängen und mitgereiste Fans oft früher als der Tabellenstand den Wechsel im Rhythmus – ein Überlauf über die Außenbahn, ein Dreieckspass im Mittelfeld, und schon rutscht die Abwehr von „kompakt“ in Richtung „aufgespreizt“. Was Potter will, ist, dass seine Spieler auch unter Druck die Positionen der Mitspieler lesen und die Abwehrfläche in einem überblickbaren Rahmen halten können.

Für uns ist aus dieser Debatte ein klares Signal zu hören: Schweden wird weder das offene Spiel gegen Tunesien kopieren noch die defensive Ausrichtung gegen die Niederlande eins zu eins übernehmen, sondern auf dem Weg zwischen individueller Qualität und der Art, wie der Gegner aufgebaut ist, erneut das richtige Gleichgewicht finden. Bevor der Pfiff zur letzten Gruppenrunde ertönt, lohnt sich ein Blick nicht nur auf die Anzeigetafel, sondern auch darauf, ob die Blau-Gelben im begrenzten Raum Japans Kombinationsspiel standhalten und sich gleichzeitig eine Lücke für den Konter offen lassen können.

Die WM 2026 wird von den USA, Kanada und Mexiko gemeinschaftlich ausgerichtet; alle Gastgeber sind automatisch für das Turnier qualifiziert. Schweden muss sich als Nicht-Gastgeber weiterhin in der Gruppenphase im direkten Duell beweisen. Potter glaubt weiterhin: „Solange wir unser Level bringen, sind wir vollkommen in der Lage, jedem Gegner Probleme zu bereiten – und sogar ein Spiel zu gewinnen.“ Doch das ist zweigleisig – Zuversicht ist da, die Zeit drängt. Im letzten Gruppenspiel gegen Japan wird das Ringen um Kompaktheit und Raum entscheiden, ob Schweden seine WM-Reise fortsetzen kann.

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